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Es ist 20.32 Uhr. Paul - wir nennen ihn mal so, vielleicht heißt er auch ganz anders - hat sich eingerollt auf dem Sofa. Das Möbelstück steht auf einem alten Lastwagenanhänger. Und der ist am Brünnchen postiert. Ein Kult-Ort für Zuschauer in der Grünen Hölle - der Altar ist ein Asphalt-Band.
Keine Ahnung, wie lange Paul da schon seinen Rausch ausschläft. Seit gut fünfeinhalb Stunden jagen 217 Autos über die Rennstrecke - Fiat 500 gegen Porsche GT3, Fiat 500 gegen Gumpert Apollo Hybrid, Opel Manta mit Fuchsschwanz an der Antenne gegen Aston Martin DBRS9, Seat Leon Supercopa gegen Lamborghini Gallardo, Issigonis' Mini gegen Hackenbergs VW Scirocco. Lärm wie bei McDonalds zur Mittagszeit. Vielleicht hat Paul schon den Start um 15 Uhr verschlafen. Wie andere auch. Hier liegen bereits jetzt so viele Pfandflaschen auf dem Waldboden, dass von dem Erlös eine Familie nach Mallorca reisen könnte.
Am Brünnchen stehen, sitzen, liegen die wildesten Fans des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring . Das ist das größte Motorsportspektakel der Welt, der alljährliche, ultimative Sündenpfuhl, die chaotischste aller Party-Meilen. 220.000 Menschen rund um den Ring, viele planen ihr persönliches Fest-Highlight 53 Wochen lang. Männer, Frauen, Kinder. Feiernd, saufend, mitfiebernd, schlafend, weinend, grillend. Um das ausgiebig zu zelebrieren wird schon eine Woche vorher die Eifel zugecampt, allerdings mit Duldung der Bauern und Behörden, die Wiesen und Auen dafür freigeben. Kein Wasser, kaum Strom, aber waschen und rasieren kann man sich danach ja auch wieder zu Hause. Und wer mutmaßt, dass die Bäume rund um den Ring so groß sind, weil Sie einmal im Jahr übermäßig gedüngt werden, liegt gar nicht mal so falsch. [...]
Link: Chromjuwelen.com / Paul Pennt |