Terra di Motori

Es gibt nicht viele Gegenden auf der Welt, wo es als Fahrer eines Lamborghini Gallardo wichtig ist, in den Rückspiegel zu schauen. Hier, nördlich und südlich der Via Emilia, ist es ein Muss. Mit schrillem Brüllen taucht ein Murcièlago hinter uns auf und überholt – viel Platz bleibt nicht. Nur 30 km/h sind hier streckenweise erlaubt, bei 100 km/h rollen wir im Quellverkehr mit, 150 km/h dürfte der Zwölfzylinder auf dem Tacho haben. Unverschämtheit. Unverschämtheit? Keineswegs.
Erstens sind wir hier in Italien, da werden Tempolimits von den Bewohnern oft nur als gut gemeinte Empfehlungen angesehen. Zweitens sind wir in der Emilia Romagna – „terra di motori“, wie die Einwohner es selbst nennen, das Land der Motoren.
Im Rollschuh durch Italien

Es sind ungefähr acht nebeneinander – wir fahren zu schnell, um es genau zu erkennen. Alle acht sitzen in Rollstühlen, und wer von ihnen den Arm noch heben kann, winkt. Dahinter und daneben die Patienten, die noch selber stehen können, sowie Schwestern und Ärzte – das ganze kleine Krankenhaus des Dorfes hat heute Ausgang, die Visite findet am Bordstein statt. Und gegenüber in der Schule gibt’s Freistunden. Hunderte von Bambini schreien, springen, singen, jubeln, wild Fähnchen schwenkend. (...)
Italienische Momente

Enzo! Eeeeeeenzo!“Das weiße Fellknäuel mit dem berühmten italienischen Vornamen denkt überhaupt nicht daran, zu hören. Schnüffelt sich lieber durch zum raspelkurz geschnittenen Green gegenüber dem 18. Loch, wo unzählige Lamborghini den butterweichen Golfer-Edelrasen platt stehen: Countach, Murciélago, Gallardo. Und alte Stücke: Miura, Espada, Urraco. Sogar ein LM002, Lamborghinis Ausflug ins Geländemetier aus dem Jahre 1986. (...)
Einer für alle

Nicht, dass dieses Unikat unter 140 km/h langweilig wäre. Aber ab ungefähr diesem Tempo wird es noch viel interessanter. Da fegt der Wind von unten in den Helm,
hebt ihn ein bisschen an, und der Kopf wird deutlich erleichtert. Gleichzeitig ziehen sich automatisch die Mundwinkel nach oben – keine Folge des sich straffenden Helmverschlusses, sondern aktive Körperreaktion auf mächtig viel Fahrspaß. (...)
Der Stern von Modena

Ein Freund, ich möchte dir ein Auto widmen“, sagte der junge Designer in der Kleinstadt Balcarce in Argentinien, „es soll deinen Namen tragen.“ „Oh, ich bin geehrt“, antwortete der alte Rennfahrer, „aber ich habe eine Bedingung.“ „Egal wie sie heißt“, erwiderte der junge Mann, „ich werde sie erfüllen.“ „Der Motor muss den Stern tragen“, präzisierte der Alte, „denn ich bin ein Mercedes-Mann...“ (...)
Miami Blau

Der Typ in seinem neuen Pontiac GTO lässt nicht locker. Immer wieder gibt er auffordernd Gas, läßt kurz die Hinterräder seines schwarzen 400-PS-Amis durchdrehen, beschleunigt, bremst ab. Auf dem Biscayne Boulevard in Downtown Miami wird sein dumpfes V8-Wummern von den Bankenhochhäusern zurückgeworfen. Es ist Sonntag morgen, ausnahmsweise ist keine Poliztei unterwegs, und die Aufforderung zum Sprintduell auf dem Weg ins berühmte Art-déco-Viertel von Miami Beach ist eindeutig. Sorry, aber wir haben das nicht nötig. (...)
Leichte Übung

Die beiden Mechaniker aus Maranello arbeiten gründlich. Erst nach rund einer Stunde packen sie ihr Meßgerät ein. „Feinjustierung der Kupplung“ lautete die Aufgabe der beiden Männer, die am Ferrari-Stammsitz für Maserati-Antriebsstränge verantwortlich sind. Sie wollen ihre Arbeit diesmal besonders gut machen – steht doch bei Maserati ein Test an, den die Italiener vorher so noch nie gestattet hatten: Die erste Nachmessung der Werksangaben für ihren Supersportler MC12 durch Journalisten.(...)
Wie die Pferde laufen lernen

Marcello Baldelli fehlen nur zwei Punkte zum Gewinn des Grand Prix. Noch ein paar gute Ideen, besonders schnelle Arbeit, dann hat es der Karosseriearbeiter geschafft: zehn Punkte. Er freut sich schon auf die Belohnung. Nein, nicht auf einen dünnwandigen Silberpokal mit kiloschwerem Marmorsockel. Sondern auf was Handfestes. Eine Digitalkamera. Oder eine Playstation. Etwas, das er auch gebrauchen kann. (...)