Quer durch den Schnee
Der Bentley Arnage hat den Japaner voll im Griff. Wild kreiselnd dreht sich das 2,5 Tonnen schwere Auto mit dem leichten Asiaten übers Eis, die edlen Stoßfänger nur knapp am harten Schneerand vorbei.
Der Mann scheint noch nie die immense Kraft von 875 Newtonmetern Drehmoment auf der Hinterachse gezähmt zu haben. Sein Jauchzen beweist zudem, dass er die Sache nicht besonders ernst nimmt. Ganz anders sein Beifahrer. Der deutsche Instruktor Guido Heesen schaut sich das Spektakel eine Minute lang an, um dann – auch aus Angst um drohende Wagenwertminderung – den Asiaten freundlich, aber bestimmt aufzufordern, das einst 270 000 Euro teure Auto zu verlassen: „Manche Teilnehmer denken, das hier sei eine reine Spaßveranstaltung.
Terra di Motori

Es gibt nicht viele Gegenden auf der Welt, wo es als Fahrer eines Lamborghini Gallardo wichtig ist, in den Rückspiegel zu schauen. Hier, nördlich und südlich der Via Emilia, ist es ein Muss. Mit schrillem Brüllen taucht ein Murcièlago hinter uns auf und überholt – viel Platz bleibt nicht. Nur 30 km/h sind hier streckenweise erlaubt, bei 100 km/h rollen wir im Quellverkehr mit, 150 km/h dürfte der Zwölfzylinder auf dem Tacho haben. Unverschämtheit. Unverschämtheit? Keineswegs.
Erstens sind wir hier in Italien, da werden Tempolimits von den Bewohnern oft nur als gut gemeinte Empfehlungen angesehen. Zweitens sind wir in der Emilia Romagna – „terra di motori“, wie die Einwohner es selbst nennen, das Land der Motoren.
Paul pennt
Es ist 20.32 Uhr. Paul - wir nennen ihn mal so, vielleicht heißt er auch ganz anders - hat sich eingerollt auf dem Sofa. Das Möbelstück steht auf einem alten Lastwagenanhänger. Und der ist am Brünnchen postiert. Ein Kult-Ort für Zuschauer in der Grünen Hölle - der Altar ist ein Asphalt-Band.
Keine Ahnung, wie lange Paul da schon seinen Rausch ausschläft. Seit gut fünfeinhalb Stunden jagen 217 Autos über die Rennstrecke - Fiat 500 gegen Porsche GT3, Fiat 500 gegen Gumpert Apollo Hybrid, Opel Manta mit Fuchsschwanz an der Antenne gegen Aston Martin DBRS9, Seat Leon Supercopa gegen Lamborghini Gallardo, Issigonis' Mini gegen Hackenbergs VW Scirocco. Lärm wie bei McDonalds zur Mittagszeit. Vielleicht hat Paul schon den Start um 15 Uhr verschlafen. Wie andere auch. Hier liegen bereits jetzt so viele Pfandflaschen auf dem Waldboden, dass von dem Erlös eine Familie nach Mallorca reisen könnte.
Modernes Motorama
Das waren noch Zeiten, als General Motors mit den Autos zu den Interessenten kam und nicht andersherum. Sechs mal startete ein großer GM-Tross zwischen den Jahren 1953 und 1961 zu gigantischen Road-Shows. Im Gepäck - neben Beispielen aus dem aktuellen Portfolio - atemberaubende Show-Cars und Design-Studien, insgesamt mehr als 50 Stück. Der Titel des Spektakels: Motorama. Jetzt haben es die Veranstalter der Concours d'Elegance
im kalifornischen Pebble Beach geschafft, gut ein Drittel dieser Pretiosen aus Privat- und Konzernbesitz auf den Nobel-Golfplatz um das berühmte Loch 18 zu versammeln.
Magisches aus Monterey
Ausnahmezustand in Monterey, Kalifornien: Aus den Tiefgaragen sprudeln moderne Maybäche, die Hotels sind mit Bentley und Rollis zugeparkt, und auf den Straßen röhren mehr Lamborghini und Ferrari als während des Werksverkehrs in der Gegend um Maranello. Kurz: Es ist ''Pebble Beach''-Wochenende.
Hier werden auf einem stadtnahen Golfplatz am Pazifik einmal im Jahr die edelsten Oldtimer prämiert, die teuersten Supersportwagen vorgestellt und mit die begehrtesten Klassiker verkauft. Wer Geld hat, zeigt es durch das Auto, das er fährt oder fahren will. Aber auch in Monterey selber ist der Teufel los, was bemerkenswerte Autos angeht.
Im Rollschuh durch Italien

Es sind ungefähr acht nebeneinander – wir fahren zu schnell, um es genau zu erkennen. Alle acht sitzen in Rollstühlen, und wer von ihnen den Arm noch heben kann, winkt. Dahinter und daneben die Patienten, die noch selber stehen können, sowie Schwestern und Ärzte – das ganze kleine Krankenhaus des Dorfes hat heute Ausgang, die Visite findet am Bordstein statt. Und gegenüber in der Schule gibt’s Freistunden. Hunderte von Bambini schreien, springen, singen, jubeln, wild Fähnchen schwenkend. (...)
Italienische Momente

Enzo! Eeeeeeenzo!“Das weiße Fellknäuel mit dem berühmten italienischen Vornamen denkt überhaupt nicht daran, zu hören. Schnüffelt sich lieber durch zum raspelkurz geschnittenen Green gegenüber dem 18. Loch, wo unzählige Lamborghini den butterweichen Golfer-Edelrasen platt stehen: Countach, Murciélago, Gallardo. Und alte Stücke: Miura, Espada, Urraco. Sogar ein LM002, Lamborghinis Ausflug ins Geländemetier aus dem Jahre 1986. (...)
Schweres Erbe

Die Tür ist eigentlich immer fest verschlossen. Eine rostige, ehemals wohl grüne, zweiflügelige Metalltür, bei der die Zeit schon mächtige Spalten hineingefressen hat.
Drumherum rot geklinkertes Mau-
erwerk, drei halb verfallene Stufen und davor ein Teil eines braunen Gleisbandes, dessen Weg einst im Bahnhof Mülhausen begann und nun in Dornengestrüpp endet. Kurz: der Eingang zu einer Fabrikhalle. Ganz früher belebt: Die Beschäftigten der Textilwerke der Gebrüder Hans und Fritz Schlumpf in Mülhausen, Elsass, werden hier aus- und eingegangen sein. (...)
Kein Winter-Märchen

Die Begeisterung für die eine oder andere unserer Lieblingsgeschichten hält sich bei vielen Kollegen im überschaubaren Rahmen. So auch hier. Der Plan war eigentlich ganz simpel: Wir wollten 100 Runden auf der Nordschleife des Nürburgrings nonstop fahren. Was ja eigentlich nichts Besonderes ist – jedenfalls nicht im Sommer. Da werden 24-Stunden-Rennen gefahren, und alle finden es toll. Aber Anfang Februar ist in der Eifel alles anders – besonders das Wetter. (...)
Wie die Pferde laufen lernen

Marcello Baldelli fehlen nur zwei Punkte zum Gewinn des Grand Prix. Noch ein paar gute Ideen, besonders schnelle Arbeit, dann hat es der Karosseriearbeiter geschafft: zehn Punkte. Er freut sich schon auf die Belohnung. Nein, nicht auf einen dünnwandigen Silberpokal mit kiloschwerem Marmorsockel. Sondern auf was Handfestes. Eine Digitalkamera. Oder eine Playstation. Etwas, das er auch gebrauchen kann. (...)
