Terra di Motori

Es gibt nicht viele Gegenden auf der Welt, wo es als Fahrer eines Lamborghini Gallardo wichtig ist, in den Rückspiegel zu schauen. Hier, nördlich und südlich der Via Emilia, ist es ein Muss. Mit schrillem Brüllen taucht ein Murcièlago hinter uns auf und überholt – viel Platz bleibt nicht. Nur 30 km/h sind hier streckenweise erlaubt, bei 100 km/h rollen wir im Quellverkehr mit, 150 km/h dürfte der Zwölfzylinder auf dem Tacho haben. Unverschämtheit. Unverschämtheit? Keineswegs.
Erstens sind wir hier in Italien, da werden Tempolimits von den Bewohnern oft nur als gut gemeinte Empfehlungen angesehen. Zweitens sind wir in der Emilia Romagna – „terra di motori“, wie die Einwohner es selbst nennen, das Land der Motoren.
Eine Klasse für sich
Das Steinchen war vielleicht so groß wie ein halber Stecknadelkopf. Ein Stück Beton. Nur: Es lag nicht auf der Straße – sondern ich fand es in meinem linken Ohr. Ich dusche täglich. Deswegen gibt's nur einen Schuldigen: Der Simon Höckmayr war's. Sein HKT Seven RS Clubsport bewirft die Insassen aber nicht nur mit Dreck. In erster Linie versetzt der Wagen sie in höchstes Verzücken. Und pulverisiert nebenbei die bisherige Rekordmarke im Oschersleben-Rundenzeiten-Contest von AUTO BILD SPORTSCARS.
Formel Seven

Colin Chapman musste kaum überlegen, als er nach dem Design seines Lotus Seven gefragt wurde: „Das gehört zu der Sorte von Dingen, die man an einem Wochenende hinlegen kann.“ Vermutlich hat er wirklich nicht länger gebraucht, als er den Wagen Mitte der 50er in seinem Haus ersann. Es war ja auch kaum etwas dran außer vier Rädern, zwei Sitzen und einem Motor (siehe Spalte rechts). Ein geniales Konzept, das ein leichtes, sportliches Auto mit nur einem Auftrag garantiert: Spaß. (...)
Ein alter Traum

Ein bisschen Fantasie ist schon nötig, um sich den Sound einer Corvette vorzustellen: Was da aus den Endrohren großvolumiger Acht-
zylinder blubbert, klingt wie auf kleiner Flamme vor sich hin kochende Nudeln in etwas zu wenig Wasser, und das ganze zwei Oktaven tiefer und halb so schnell. Aber es macht genau so viel Appetit, wenn nicht gar Hunger – auf lässiges Cruisen, ein bis zwei Wrigley’s kauend, immer Richtung Sonne. (...)
Cowboy im Massanzug

Alleine schon, wie er das R rollt: „Ssiiis iiis nott a rrrrrretrrrrrro-design“, sagt er voller Überzeugung, mit umwerfend italienischem Akzent in seinem eigentlich fließenden Englisch. Er fährt mit der Hand die scharfe Kante an der Seite seiner einzigartigen Corvette entlang: „Ich habe zwar eine Menge Details verbaut, die tatsächlich aus der langen Historie dieses Sportwagens kommen, aber das Design weist in die Zukunft.“ (...)
Leichtes Spiel

Ja, ja, sie haben Fett angesetzt, die M3 und 911er dieser Welt. Kein Wunder: Wir selbst werden immer bequemer und fordern Komfort ohne Ende. Und wenn wir ihn nicht fordern, bieten ihn die Hersteller von selbst an, bis wir uns daran gewöhnt haben – und glauben, nicht mehr ohne zu können. Der wachsende Verkehr verlangt immer mehr passive Sicherheit, die Freizeitgesellschaft schreit nach immer mehr Entertainment. Ergebnis: Die Autos werden größer und schwerer. (...)
Italienische Momente

Enzo! Eeeeeeenzo!“Das weiße Fellknäuel mit dem berühmten italienischen Vornamen denkt überhaupt nicht daran, zu hören. Schnüffelt sich lieber durch zum raspelkurz geschnittenen Green gegenüber dem 18. Loch, wo unzählige Lamborghini den butterweichen Golfer-Edelrasen platt stehen: Countach, Murciélago, Gallardo. Und alte Stücke: Miura, Espada, Urraco. Sogar ein LM002, Lamborghinis Ausflug ins Geländemetier aus dem Jahre 1986. (...)
Comeback einer Legende

Die Ford-Chefs hatten das Umfeld mit Bedacht gewählt: Sonntag, 17. August,
Pebble Beach, gegen 20 Uhr. Ein lauer Sommerwind, vom leicht wogenden Pazifik kommend, hauchte um die Seidenhüte der erlesenen Gesellschaft, als das Auktionshaus Christie’s zuerst ausgewählte klassische Preziosen unters solvente Volk brachte – und dann ein Produkt des zweitgrößten Herstellers der Welt, eher für automobile Massenware bekannt. (...)
Für ein paar Dollar mehr

"Tu es!" sagt Steve Saleen nachdrücklich, neben mir kauernd und genauso festgezurrt wie ich selbst. Wirk-
lich? „Nun mach schon!“ All right. Der Squirrelcreek-
Tunnel an der Küstenstraße 1 zwischen Los Angeles und San Diego ist lang genug. Die Übergänge von der Fahrbahn zur Tunnelwand sind ausreichend weich und rund. Es ist Sonntagmorgen, 5.30 Uhr, kein Verkehr. Ich schaue auf den Tacho: 155 Meilen. Zu langsam. (...)
Einer für alle

Nicht, dass dieses Unikat unter 140 km/h langweilig wäre. Aber ab ungefähr diesem Tempo wird es noch viel interessanter. Da fegt der Wind von unten in den Helm,
hebt ihn ein bisschen an, und der Kopf wird deutlich erleichtert. Gleichzeitig ziehen sich automatisch die Mundwinkel nach oben – keine Folge des sich straffenden Helmverschlusses, sondern aktive Körperreaktion auf mächtig viel Fahrspaß. (...)
