Classic Cars


Klar: Wenn Porsche das große Jubiläum „50 Jahre Turbo“ feiert, heißt der Hauptjubilar 930, der erste Elfer mit Turbomotor. Und wer heute Porsche und Turbo sagt, meint meistens einen der vielen aufgeladenen Elfer. Dabei hat Porsche die Erfindung von Alfred Büchi aus dem Jahr 1905, dem Motor mehr Luft mittels einer von Abgasen angetriebenen Turbine zuzuführen und damit Leistung zu generieren, auch erfolgreich in ande- ren Modelle verbaut. Zum Beispiel in den Frontmotor-Baureihen 944, Cayenne und Panamera. Die ersten Turbolader in Serienautos steckten meist vorne unter der Motorhaube. Das galt Anfang der Sechzigerjahre etwa für den Oldsmobile Jetfire, der eine technische Sensation, aber kein Verkaufserfolg war – ausgerechnet das aufgeladene GM-Schwestermodell Chevrolet...                                                      Porsche Fahrer 2024


Auf Renn- und Teststrecken kennt Jaguar keinen Spaß: Helm und Hosenträgergurte sind Pflicht. Und, zur weiteren Sicherheit, , als beiFahrer ein Instruktor. kein Wunder, denn die Automobile, die wir gleich scheuchen dürfen, kosten als Kleinstserienfahrzeuge zwischen 1,2 und 1,75 Millionen PÜfund netto pro Exemplar, die von uns gefahrenen Prototypen sind wahrscheinlich noch wertvoller. Jedoch sind sie trotz ihrem Aussehen nicht alt, sondern nagelneu. Wie geht das? Der Fachbegriff lautet Continuation Car...

NZZ, 2022


Wenn Helmuth Bott – Anfang der 1970er Jahre Porsche-Versuchs- und Entwicklungsleiter in der Weissacher Denkschmiede – rief, dann stand man stramm. Und als es ihn traf, war der junge Ingenuer im Karosserieversuch namens Tilman Brodbeck gerade mal eineinhalb Jahre in der Sportwagenfirma und fragte sich, was er bloss ausgefressen habe. Mit ihm wurde sein direkter Chef, Hermann Burst, in den heiligen Bott-Raum zitiert. Der gestandene Entwickler machte es kurz: "Meine Herren, unsere Kunden haben ein Problem, also haben wir ein Problem. Sie beschweren sich...

BOLD, 2022


Das war sogar dem Hamburger Abendblatt einen Artikel wert: Hatte doch der Hamburger Kfz-Meister Peter Koch seinen BMW 3.0 CSL im Jahr 1976 für 12.000 Mark neu lackieren lassen, wofür rund 300 Arbeitsstunden berechnet wurden. 12.000 Mark – das war damals verdammt viel Geld. Aber es war ja auch nicht irgendeine Farbe, die über den rasanten Bayern im breiten Renn-Ornat ausgegossen wurde: Es sollte Kunst sein. Denn Koch wollte nichts weniger als eine Kopie des zweiten BMW Art Cars, das Frank Stella 1976 schuf: Grafikpapier-Linien auf Le-Mans-Rennwagen...

TRÄUME WAGEN, 2021


Der Porsche 901 2.0 Coupé mit der Chassisnummer 300055 ist zweifellos ein Schmuckstück. Total restauriert, und niemand wird zusammenzucken, wenn man behauptet, das Auto sei heute besser als neu. Die Startnummer 147 auf den Türen blendet fast: Es ist tatsächlich das Originalauto, mit dem Herbert Linge und Peter Falk 1965 Geschichte schrieben, als sie mit einem kaum präparierten Wagen aus Marketinggründen die Rallye Monte Carlo mitfuhren und am Ende Klassensieger und Gesamt-Fünfter wurden...

Porsche Fahrer, 2021


Die Wette war eindeutig: Würde Ralf Reker seinen Innenpool schließen und in den darüber entstehenden Holzfußboden eine Drehscheibe zur Präsentation von Autos vor die Hausbar bauen, würden ihm seine Kumpel zur Einweihung dieser Männerhöhle einen netten Abend mit Poledance spendieren. Sie hätten es wissen müssen:  Reker (52) realisiert alles, was er sich vornimmt und wovon er spricht. Der Männerabend soll voll gelungen sein.....

TRÄUME WAGEN, 2020


Der alte Mann lehnt erschöpft an einem Baum. Neben ihm der Marlboro Raceway – oder das, was von ihm noch übrig ist. Birken wachsen aus dem Asphalt, aber die Tribünen sind noch als solche zu erkennen. Hier rasten bis 1974 VIPs wie Paul Newman, Mario Andretti und Roger Penske um die Wette, ein Jackie Stewart gewann 1964 das Zwölf-Stunden-Rennen auf Lotus Cortina – alles junge Wilde, die Fluppe im Mundwinkel, die Zigarettenpackung im Ärmel, ein hübsches Mädchen im Arm. "Diese Rennstrecke machte dicht, kurz nacheem ich mit dem Motorsport aufgehört habe. Ich glaube, somit halte ich hier immer noch den Streckenrekord. Und damit einen Rekord für immer," sinniert Edward Parlett, Baujahr 1941...

Porsche Klassik, 2020


Vielleicht ist es der raue Motorlauf des alten Sechszylinder-Benziners, der den ungarischen Besitzer eines wunderschönen Jeep Station Wagon aus dem Baujahr 1950 stört. Vielleicht ist es auch der Lärm, den so eine Maschine seit Jahrzehnten macht. Oder es ist einfach der ökologische Gedanke, der ihn dazu bewegt, einen Elektromotor in den Klassiker einbauen zu lassen. Mit Sicherheit sind es jedoch keine ökonomischen Beweggründe: Die rund 45.000 Euro fürt den Umbau wird er kaum wieder einfahren können...

NZZ, 2020


Es gibt keinen Grund für übermäßigen Respekt – es ist ja nur ein Auto. Aber es gibt tausend Gründe für gesunden Respekt. Zum Beispiel vor 4.500 Stunden Handarbeit pro Auto. Oder vor der Tatsache, dass nur 19 Stück dieses Modells entstehen. Oder dass unser Testwagen Andrea Zagato höchstselbst gehört – dem Mann, dessen Familie einst die gleichnamige italienische Karosseriefirma gründete und die weltweit mit ihren Double-Bubble-Dächern bekannt wurde....

BOLD The Magazine Nr. 45


Es fällt recht schwer, nicht vor Ehrfurcht im Boden zu versinken. Aber das sollte ich mir verkneifen – ich würde heiligen Grund beschädigen: Das Porsche-Skidpad in Weissach haben sich 1969 Ferry Porsche und Herbert Linge ausgedacht als Testfläche mitten auf einer ehemaligen Ziegenwiese. Hier haben die Ingenieure, Mechaniker sowie Test- und Rennfahrer damals die ersten 917 für die Langstreckenrennen abgestimmt – ein paar Runden links herum, ein paar Runden rechts herum, und dann ab auf die A 8. Nachts. selbstverständlich ohne Kennzeichen. Aber immerhin hatten sie neben einem ziemlich sinnlosen Rückspiegel auch Blinker...

Porsche Klassik 2019


Als hätte der VW-Porsche 914 noch nicht klange genug gelitten – Speed-Fans experimentieren noch heute mit allen möglichen Motoren im Bauch der VW-Porsche 914 und 914/6. Es gibt Modelle mit 911-S-Sechszylinder, mit 2.7-Carrera-Boxer und mit der Dreiliter-Version aus dem 911. Manche tragen sogar ein 911-Turbo-Aggregat vor der Hinterachse. Skandal? Mitnichten. Denn eines ihrer Idole hat es vorgemacht: Ferdinand Piëch persönlich. Der damalige Entwicklungschef  bei Porsche forderte seine Leute 1969 auf, einen Porsche-908-Rennmotor in einen 914 S zu pflanzen. Das gelang: Mit der Fahrgestellnummer 914111 wurde am 10. September 1969 formell der Typ 918 mit dem Kenzeichen S-P 7700 zugelassen...

VW Classic 2019


Nico Gasparatos schaut immer mal wieder in die Rennwagenrubriken bei mobile.de und ähnlichen Anbietern – sollte er  Zeit haben. Und weas leuchtete dem umtriebigen Car-Guy aus Hamburg da vor kurzem entgegen? Richtig, ein Plymouth Road Runner , Baujahr 1972. Ein Ex-Nascar mit 7,2-Liter-Chrysler-Bigblock, fahrbar. Ein Bayer hatte das seltene Stück 2017 aus den USA importiert, war damit vielleicht einmal bei einem Event gefahren und hatte dann die Lust daran verloren...

Träume Wagen 2019


Der Mann neben uns ist begeistert. "Das Auto ist einfach genial. Der zieht ab 2000 Touren. Einfach fantastisch!" Er begleitet seine Euphorie auf die Art und Weise, so wie Südeuropäer das so zu tun pflegen: gestenreich, ausladend, impulsiv, ausdauernd. Der Haken an der sache: Wir sind mit 160 km/h in den Bergen unterwegs und er sitzt am Steuer.

Dennoch bleiben wir entspannt, denn unser Chauffeur ist Jean-Pierre Nicolas, gebürtiger Marseiller und unter anderem 1973 Rallyeweltmeister auf Alpine...

Porsche Klassik 2018


Es ist fast wie damals. Alles so vertraut. der Geruch – keine Ahung warum, aber das Leder in einem alten XJ riecht so, wie man sich das Wohnzimmer von William Lyons vorstellt. Die Sitze – belederte Sessel, in die man sich auch beim Fernsehen gerne lümmeln würde. Diese unglaublich flach wirkende Form – keine Luxuslimousine machte ohne Hilfsmittel wie Spoiler und ähnlichem Flügelwerk je eine sportlichere Figur. Und dann dieser Tankumschalter  – kein anderes Auto, zu dem man als Student Anfang der 80er Jahre Zugang hatte, besaß zwei voneinander unabhängige Benzinreservoirs...

Träume Wagen 2018


Selten so schön geträumt. Ich träumte, ich wäre in Coventry, dem einstigen Zentrum der britischen Automobilindustrie. Und da wäre ein neues Gebäude. Ok, im Grunde eine unscheinbare Riesenhalle, wie sie zu Hunderten in Gewerbegebieten dieser Welt stehen. Aber was davor stand, war schon nicht von dieser Welt: bildschöne Jaguar E-Type, Mark II, XJ, XJS und XK, auf der anderen Seite Land Rover der ersten drei Serien, Defender, Range Rover und mehr.

Ich träumte weiter, dass sich die Türen öffnen würden. Dahinter begrüßten mich schöne jungen Damen, schenkten mir so etwas wie Champagner ein (es kann auch Selters gewesen sein) und baten mich, doch bitte erst den Empfangsbereich zu inspizieren...

Träume Wagen 2018


Der Junge ist gerade mal 18 Jahre alt geworden, als er den Herrn Papa um Geld bittet – etwa 1000 Dollar braucht er. Da ist er schon ein recht erfolgreicher Kart-Racer. Aber als der Vater in diesem April 1962 hört, was der Filius damit machen will, sagt er Nein: Ein Taxi kaufen kommt in dieser steinreichen Familie nicht infrage. Die Mutter dagegen lässt sich vom Charme des  jungen Mannes mit den ligurischen Wurzeln bezirzen – sie gibt ihm das Geld. Dass Jorge Nicolini Bernucci damit eine erwachende Leidenschaft befriedigen will, weiß nur er selber – dass das Taxi das erste Exemplar des einzigen Automuseums Perus ist, ahnt nicht mal er...

Träume Wagen 2017


Die 550 Quadratmeter große Halle in dem neuen Braunschweiger Gewerbegebiet ist unauffällig. Aufmerksamkeit erzeugt eher der alte, aber perfekte Willys Jeep davor.  Oder der Anhänger mit der Aufschrift "'72STAGPOWER" auf der Seite. Naja, und auch die Glastür weist dank Wörtern wie "Norisring", "Hockenheim", "Monza" und natürlich "Nürburgring" ein bisschen darauf hin, was sich drinnen verbergen könnte. Und dann steht da – nein, nicht "Welcome to the sprit", sondern "Welcome to the spirit": Hier wohnt Jägermeister-Geist.

Aber nicht der aus dem 35 Prozent starken Kräuterlikör...

Träume Wagen, 2017


...Rund 1800 Tage vor dem 30.9.55: Die Party ist todlangweilig. Da fängt das automatische Klavier an, schräge Tonfolgen zu spielen. Der junge Mann, der daneben steht, schlägt plötzlich mit der flachen Hand auf den Deckel des Instruments... Der rabiate 19 Jahre alte Jungschauspieler in diesem Pepsi-Werbespot – geboren am 8. Februar 1931 in Marion, Indiana – heißt James Byron Dean. Es ist seine erste kleine Rolle in einem Film. In der Tasche: 30 Dollar Honorar für die schauspielerische Leistung. Im Kopf: Flausen.
13 Tage vor dem 30.9.55: Lässig sitzt James Dean auf dem Stuhl – mit seinem Cowboyhut auf dem Kopf fast schon zu lässig...

Porsche Klassik, 2012


Mit Goodwood ist das so eine Sache. Einerseits ist es eine echte Ehre, vom Earl of March im März zu einem Members Meeting geladen zu werden. Und dann auch noch zum 75., ein Jubiläum. Pro Wochentag ist die Menschenmenge auf 20.000 beschränkt, viele sind tatsächlich Miglieder in einem der exklusivsten Clubs der Insel.

Dann ist da aber andrerseits das Wetter. Anders ausgedrückt: so früh im Jahr kalt mit viel Wind. Und dann sind da noch die Restriktionen: Als geladener Gast muss man das richtige Bändchen am Arm tragen. Für dies, für das, für jenes. Und kaum eines ist für alles...

Träume Wagen, 2017


...Es ist nicht ganz offensichtlich, warum der Knirps auf dem alten Foto so gut gelaunt ist. Kann sein, dass der Grund seine Einschulung an diesem Tage, dem 2. April 1953, ist. Kann aber auch sein, dass er schon immer mal auf der Motorhaube eines DKW F8 Meisterklasse von 1939 sitzen wollte und er es an diesem Apriltag endlich tun durfte. Egal: Ingolf Mentz ist glücklich. Heute ist der ehemalige Schuljunge 69 Jahre alt, hat ein Berufsleben als Elektriker hinter sich und ist stolzer Besitzer eines DKW F89 P Meisterklasse von 1951 und seines absoluten Traumwagens, einem Auto Union 1000 Sp, Baujahr 1965...

Träume Wagen, 2015


...Mit 88 Jahren noch im Stehen die Schuhe wechseln zu können, ist nicht jedem vergönnt. Herbert Linge kann das. Mit einer Hand auf einen Strohballen gestützt, zieht er sich den alten Treter vom rechten Fuß und schlüpft in einen nagelneuen alten Rennschuh. Dann folgt die linke Seite. Es sind ganz besondere Schuhe – sein alter Kumpel Francesco „Ciccio“ Liberto hat sie gemacht. Der Schuhmacher aus Cefalu kennt hier fast jeden der alten Recken, und viele Rennfahrer haben vor Jahren passgenaue, weiche, schlanke Paare von dem begnadeten Lederkünstler machen lassen. Linge gleich drei. Zwei davon hat er in ewigen Tempokämpfen verschlissen, aber ein Paar hat er aufbewahrt. Er trug sie bislang nur ein einziges Mal – bei Filmaufnahmen von Steve McQueens Epos „Le Mans“. Und nun auch heute: Noch einmal fährt er einen originalen Teilabschnitt der Targa Florio, dem einst wildesten und gefährlichsten Straßenrennen der Welt. In einem alten, ehrwürdigen Auto – dem Porsche 718 RS 60 Spyder ... Feierlich ist jedem zumute – Linge, aber auch Gijs van Lennep (76), Günther Steckkönig (80) und Vic Elford (81). Die Crew des Porsche-Museums hat es geschafft, diese vier Targa-Florio-Legenden noch einmal auf Sizilien zusammenzubringen...

Porsche Klassik, 2016


Der Helfer am Telefon hatte viel zu tun. Immer wieder signalisierte er dem Auktionator das Interesse seines Kunden. Nach kurzer Bieterschlacht hatte der Unbekannte über Fernsprecher zwei Wagen ersteigert: einen Bentley Continental R-Type von 1954, der allerletzte gebaute mit dem 4,5-Liter-Motor, und einen Bentley Mark VI Park Ward Drophead Coupé von 1952. Kurz nach dem Zuschlag tupfte sich der Mann in einem Restaurant in Meerbusch im Rhein-Kreis Neuss den Wein von den Lippen und sagte strahlend zu seiner Frau: „Wir haben beide.“ Was Sabine Kronsbein durchaus erfreute. Denn ohne sie macht Dean Kronsbein, gebürtiger Engländer mit deutschen Wurzeln, solche Investitionen kaum...

Friends of Bentley, 2015


...Ein Henry Ford hat es getan. Ein W.O. Bentley auch, und erst recht ein Ferdinand Porsche: Einfach mal das Auto bauen, das man sich bauen will. Weil es das bislang nicht gibt, weil man was anderes haben will als andere und weil man eventuell ein Geschäft daraus machen will. Ein Ulrich Weinberg hat es auch getan. Aber im Gegensatz zu Ford, Bentley und Porsche hatte ein Weinberg nie die Intention, ein Serienfahrzeug auf die Räder zu stellen und damit Geld zu verdienen. Nein, ein Weinberg wollte nur „sein“ Auto bauen. Für sich. Zum genießen. Etwas ganz Individuelles. Eines, das sonst niemand hat. Zum Beispiel einen BMW 319/328 Special...

Träume Wagen, 2015


Anthony Ditheridge ist äußerst entspannt. Kurz vor dem Rennen smalltalked er noch ein bisschen, posiert für ein paar Fotos, guckt sich die Technik anderer Autos an. Er ist einer von rund 400 Fahrern, die alljährlich in Südengland die seltensten und teuersten Klassiker um die Ecken jagen – beim Goodwood Revival ... Tony, wie er von Freunden genannt wird, ist der Prototyp der Revival-Protagonisten abseits prominenter Piloten wie Derek Bell, Jochen Maas, Frank Stippler ... oder Stig Blomqvist. Die Profis werden oft eingeladen, um berühmte, schwierige oder ihre eigenen Rennautos von damals zu fahren. Zu ihnen gehört Ditheridge nicht – er ist 64 Jahre alt, Flieger alter Schule, durchaus wohlhabend und tief im Herzen ein Schrauber....

Pitwalk, 2012


Vielleicht hat das Auto mit der Karosserienummer 101-144422 einst fette Melonen transportiert. Oder Olivendosen. Oder Cola-Flaschen. Oder sogar Uhrenkartons. Jedenfalls wird es gearbeitet haben müssen. Es war ein Gewinn für jeden Nutzer, denn es war ein Lieferwagen. Wenn auch ein sehr seltener: Von gut 17.000 zwischen 1956 und 1959 gebauten Seat 1400 B waren nicht mehr als 1000 „Commercial“, die sich insbesondere durch das fensterlose Heck und einen riesigen Kofferraum von den „normalen“ Pendants unterschieden. Und nur rund 20 haben überlebt, ganze drei sind in gutem Zustand. Heute ist Nummer 101-144422 so etwas wie ein SUV...

FAT, 2016


...1953 wurde es als Typ 11 BL im Pariser Citroën-Werk Quai de Javel gebaut ... Der Adendorfer Kaufmann entdeckte es vor genau 30 Jahren an einer Tankstelle in Stelle. Preis: 5000 Mark inklusive seltenem Bakelit-Federspeichenlenkrad von Quillery. „Ich hatte gerade ein gutes Geschäft gemacht und konnte nicht widerstehen,“ gibt Hammer zu, und so kaufte er das Fahrzeug (damals noch in grau), von dem er keine Ahnung hatte, was es eigentlich war. Zwei Jahre lang fuhr er es, bis ihn sein Beruf zu sehr beanspruchte. Er stellte das Auto in einer Garage unter – und holte es erst sieben Jahre später wieder hervor: „Aus der hinteren Sitzbank wuchsen diverse Baumtriebe,“ erinnert er sich...

Träume Wagen, 2015


Die Industrie jubelt: Autos im Retro-Design laufen wie geschmiert. Jetzt werden auch alte Roller und Motorräder wiederbelebt. Wir zeigen die einfallsreichsten Kreationen und ihre historischen Vorbilder – und ließen bekannte Retro-Renner wie Mini und Fiat 500 absichtlich in der Garage stehen...

Dodge Challenger – Fakten: Ein Name wie ein Donnerwetter – der „Herausforderer“ stänkerte 1969 wie heute gegen den Mustang. Damals mit bis zu 7.2-Liter-Motoren, heute immerhin noch mit bis zu 6.1-Liter Hubraum und 425 PS – aber dem Wildpferd konnte er trotzdem nie ganz das Wasser reichen. Form: Ein Hingucker, nicht nur auf der Woodward Avenue in Detroit, die früher als Dragstrip herhielt...

Prinz, 2012


...Der Besitzer des alten, neuen E-Type Lightweight braucht wohl einen gewissen Langmut. Denn es ist nicht unbedingt jedermanns Sache, sein 1,4 Millionen Euro teures Auto zu verleihen, damit es zig Mal über ein raues, altes Flugfeld fetzt, driftet, schubbert und ein paar angereiste Journalisten beeindruckt. Am Steuer sitzt allerdings ein Mann, der so aussieht, als hätte ihm das Projekt „E-Type Lightweight“ ein paar Falten mehr beschert: Kev Riches ist Ingenieur und sozusagen der Vater des modernsten E-Type, den es auf der Welt gibt. Schon sein Vater konstruierte in den 60er Jahren an der Sportwagenikone, und zwar das Dach. Riches selbst arbeitet inzwischen seit 41 Jahren bei der englischen Marke, und es ist verständlich, dass er den Auftrag nicht ablehnen konnte...

Träume Wagen, 2015


...Wie das Feuer an diesem 12. Februar 1957 im Reifenlager im nördlichen Teil des Jaguar-Werkes in Coventry entstand, weiß man heute nicht mehr. Egal – es fraß sich rasend schnell durch verschiedene Materialien und erfasste vor allem den Montage- und Testbereich. Mutige Mitarbeiter schnappten sich eilig nagelneue Autos und fuhren sie aus dem Gefahrenbereich – zumindest, bis die Feuerwehr eintraf und das lebensgefährliche Treiben stoppte. Insgesamt verbrannten 270 Autos, der Schaden betrug 3,5 Millionen britische Pfund. Das alleine war schon schlimm genug. Aber besonders tragisch wurde das Unglück durch die Tatsache, dass sich unter den vernichteten Autos einige der Le-Mans-Rennwagen D-Type befanden...

Träume Wagen, 2016


...Und dann fallen wir vom Glauben ab: Auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Grundstück rotten rund 100 Autos und ein paar Motorräder zwischen Autoteilen, Reifen, Autospielzeug, Werbemittel für Autos. Die Schicht von langen Tannenadeln auf den Karosserien zeugen davon, dass die Wagen seit Jahrzehnten nicht mehr bewegt wurden. Halb von Gerümpel überdeckt finden wir zunächst immobile Enten (Citroën 2CV) und R4, wobei einer der Renault eine kurbelbare Heckscheibe besitzt – «ein ganz frühes Exemplar», sagt Gombert. Auf einer Anhöhe stehen BMW der 2000er-Reihe, dabei ein 2000 touring. Zwischen vielen Autos der 70er Jahre ... finden wir die wahren Schätze...

auto illustrierte klassik, 2012


...Und dann ist da noch der größte Schatz der Sammlung: der 1000 Rallye 3. Von dem Modell ... wurden aus Homologationsgründen nur 1000 Stück gebaut (davon 80 Prozent in weiß). Mit 103 PS aus einem 1286 Kubik großen Vierzylinder machte der kantige Zwerg nicht nur dem NSU TT (auch im Kastendesign) Konkurrenz, sondern war dem deutschen TÜV zu scharf und bekam keine Verkauferlaubnis für Deutschland. Erst später sickerten ein paar Exemplare über die Grenze. Ketterkats Auto ist laut Plakette das 32. Exemplar. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Es ist rund 40.000 Euro wertvoll – die Nummer 1 wurden sogar schon mal mit 80.000 Euro gehandelt...

Träume Wagen 2016


Nun bin ich mitten im Geschehen und konnte mich nur ganz kurz mit dem Fahrzeug vertraut machen: Schon die Sitzprobe hatte einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die Pedale sind gut zu erreichen, aber nach rechts versetzt. Schlimmer ist das Lenkrad. Es steht nicht direkt vor der Brust, weil die Lenksäule Richtung rechter Schulter zielt. Der mittige Spiegel will gut eingestellt werden – die beiden Außenspiegel sehen zwar nett aus, sind aber nicht zu gebrauchen. Zum Glück lassen sich die vier Gänge leicht finden und durchschalten, auch wenn es nach wie vor ungewohnt ist, in einem rechtsgelenkten Auto zu sitzen und mit links zu schalten. Bitte dringend auf die Wassertemperatur achten, wurde mir eingebläut, und möglichst nicht mehr als 5500 Umdrehungen zulassen, denn einen Drehzahlbegrenzer gibt es nicht. Elektronische Helfer ebenso wenig: Eine Vollbremsung quittiert das Auto mit blockierenden Rädern, Schlingern ist nur durch geschickten Lenkeingriff zu stabilisieren...

WELT am SONNTAG, 2015


Der Junge ist gerade mal 18 Jahre alt geworden, als er den Herrn Papa um Geld bittet – etwa 1.000 Dollar braucht er ... Aber als der Vater in diesem April 1962 hört, was der Filius damit machen will, sagt er Nein: Ein Taxi kaufen kommt in dieser steinreichen Familie nicht infrage. Die Mutter dagegen lässt sich vom Charme des jungen Mannes mit ligurischen Wurzeln bezirzen – sie gibt ihm das Geld. Dass Jorge Nicolini Bernucci damit eine erwachende Leidenschaft befriedigen will, weiß nur er selber – dass das Taxi das erste Exemplar des einzigen Automuseums Perus sein wird, ahnt nicht mal er. Denn die Droschke ist nicht ausländische Massenware, sondern ein Lincoln L Phaeton mit Brunn-Karosserie von 1925, der hauptsächlich zwischen dem Plaza Union und Carmen de La Legua pendelt...

Täume Wagen, 2016


Der vornehme Inder mit dem belederten Helm auf dem Kopf verzieht angeekelt das  Gesicht. Wie groß die Anhänger sein müssen, um diese riesigen, bis zu 2,3 Tonnen schweren Oldtimer zu tragen? „Selbstverständlich sind wir alle auf eigener Achse hierher gekommen“, sagt Sati Lall entrüstet mit Blick auf die versammelten 22 Vorkriegs-Bentley, „wir besitzen doch keine Trailer-Queens...“ Trailer-Queens? Darunter verstehen Lall und seine 87 Kollegen vom urbritischen Benjafields Racing Club (BRC) Autos, die mit Q-Tipps und Zahnbürsten auf Hochglanz gebracht werden, um dann per Anhänger einen Ausstellungsort irgendwo auf der Welt zu erreichen. Es steht zwar nicht explizit in den Statuten des exklusiven Clubs, aber nicht auf eigener Achse zu Events in Europa anzureisen, ist verpönt. Dementsprechend sehen die Autos der Mitglieder auch aus: Gebrauchsspuren beschreibt bei einigen nur ungenügend das bewegte Leben der Cricklewood-Bentleys, so genannt nach dem Ort ihrer Herstellung in den Jahren 1919 bis 1931. Die Ungetüme mit Hubräumen zwischen drei und acht Litern haben Beulen, Falten, hier keinen Lack mehr und dort kein Chrom, sie sind im Laufe ihres mindestens 83 Jahre langen Lebens zigmal umgebaut worden und sie werden nahezu als Alltagsautos benutzt ...

Süddeutsche Zeitung, 2014