Track-Storys


...In Amerika gibt es schon lange „Pace Cars“. Aber wehe, sie gefallen den Motorsportfans nicht – dann wird gnadenlos geschimpft... Ganz oben auf der ewigen No-Go-Liste steht der Hudson 112, 1938 als „Official Pacemaker“ eingesetzt – der brauchte für den Sprint auf 100 km/h bis zu 40 Sekunden. 1962 fiel der untermotorisierte Studebaker Lark Daytona in Ungnade, 1984 gurkte ein Pontiac Fiero vorneweg – 140 PS, der erste Vierzylinder-Wagen seit einem Stutz im Jahr 1912 und die Gabe, gerne Feuer zu fangen, erschreckte die Indy-Fans nachhaltig. 1991 senkten sie den Daumen über einen Dodge Stealth, weil unter der Karosserie ein Japaner steckte – der Mitsubishi 3000 GT...
Audi Track Star, 2015


Die einen sagen, das ganze Leben ziehe an einem vorbei, wenn man sich nah an der Grenze zum Jenseits fühlt. Die anderen behaupten, man würde in grelles Licht treten. Mit Verlaub: alles Blödsinn. Lassen Sie sich sagen: Man guckt in ein schwarzes Loch und fragt sich, wie man nur in diese Situation geraten konnte. Jedenfalls dann, wenn man Beifahrer von Jari-Matti Latvala ist.
Dabei ist der Moment höchst irdisch: Der Mann ist aktuell Vize-Rallyeweltmeister, und wir sind in San Marino, Gewerbegebiet, es ist gegen 19.30 Uhr. Allerdings beschleunigt Latvala dank Allradantrieb und 315 PS unseren Kleinwagen namens VW Polo R WRC heftig, und die Strasse hört einfach auf. Tatsächlich ist es eine Kuppe, und als wir abheben, sehen wir es, das schwarze Loch: den Nachthimmel, erblickt vom Beifahrerplatz. Der ist aus Schwerpunktgründen noch etwas tiefer angebracht als die Sitzschale des Piloten. Ich kann nur beten, dass der Mann am Steuer weiss, was er da tut. Und wo er landet. Was für ein Albtraum.
Aber selber schuld. Schliesslich habe ich freudig das Angebot angenommen, bei der Rallylegend in San Marino während dreier Sonderprüfungen als Co-Pilot Latvalas Arbeit am Volant beobachten zu dürfen. An diesem jährlichen Event in den engen Grenzen der ältesten Republik der Welt fahren normalerweise historische Rallyefahrzeuge der siebziger bis neunziger Jahre, aber die heisseste Show liefern aktuelle Profis in fast aktuellen Autos...
Bilanz, 2015


Rohan muss erstmal Wasser laden. Der Helfer steht mit dem Gartenschlauch bereit, und Rohan öffnet die – Kofferraumklappe. Dabei hat so ein alter BMW M5 seinen 400 PS starken V8-Motor doch eigentlich vorne... Tatsächlich ist das kostbare Nass nicht zur Kühlung gedacht – es soll die Reifen schützen. Denn der Luxemburger Rohan van Riel (33) ist Drifter. Profidrifter, Showdrifter und Taxidrifter – in seine Seitwärts-Droschke hat er sich eine Wasser-Ausspritzung eingebaut, System „Gardena“: Auf Knopfdruck legt er einen kleinen Wasserfilm unter die hinteren Falken Azenis FK510 der Dimension 245/40ZR18. Dann flutscht’s besser. Dabei hat der Gummivernichter eigentlich keinen Mangel an Pneus...
GRIP - Das Motormagazim, 2017


...Ich bin auf dem Misano Circuit an der adriatischen Riviera – eine Rennstrecke  mit 16 engen und weiten Kurven unter italienischer Herbstsonne, die die Luft noch auf 15 Grad aufheizt, wo in Deutschland schon Frost den Asphalt unsicher macht. Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich gibt sich entspannt, auch wenn er mich darauf hinweist, dass der Wagen doch bitte in einem Stück ins Museum rollen soll nach unserem Tracktest. Die zweite Bitte: „Raufschalten an den pneumatisch betätigten Schaltwippen nur unter Last, also immer Gas geben. Und beim Runterschalten unbedingt den Fuß vom Gas nehmen. Sonst geht in beiden Fällen das Getriebe kaputt.“

Das wäre sowohl schade als auch peinlich – also nehme ich die Bitte als Grundlage, erhobenen Hauptes diesen Ort des Geschehens wieder zu verlassen. Ab ins Auto: Rockenfellers Audi Sport Team Phoenix spendiert zum Glück eine normale Rennschale, so dass ich nicht in Rockenfellers maßgeschneidertem Kommandositz Platz nehmen muss. Der Meister ist mit 1,75 Metern Größe und 68 Kilo Körpergewicht dann doch etwas windschnittiger gebaut...
Das Team zurrt mich mit den Fünfpunktgurten fest. Aus Gewichtsverteilungsgründen ist die Sitzschale extrem weit hinten und unten befestigt, zwei lange Belüftungsrohre flankieren das mit Knöpfen gespickte Lenkrad, das schon längst kein Rad mehr ist...
Gute Fahrt, 2013


...Die Sache mit dem Silt klingt eigentlich gar nicht so wild. „Das ist Sand,“ präzisiert der deutsche Rallye-Profi Armin Schwarz... „der von Wasser extrem klein gemahlen wurde.“ Aha. Sand – pah. Den gibt’s an jedem Strand. Und stauben tut’s bereits die ganze Fahrt über. Also, Armin, gib ruhig Gas, ab in die Sandkiste... Der Untergrund scheint zu explodieren. Eine nahezu undurchdringliche Schicht feinsten Staubes schießt ins scheibenlose Auto – jede erreichbare Pore der Insassen wird verstopft, jede Textilienfaser erfasst. Die Sicht endet am Glas der Schutzbrille, nur der Instinkt verhindert tiefes Luftholen aufgrund des Schrecks...
Faszination Sport, 2014


...Das mit dem Schalten ist so eine Sache. „It’s easy“, hat Renningenieur Richard Browne noch gesagt, „immer mit der Fliehkraft: Nach hinten ziehen hochschalten, nach vorne drücken runterschalten.“ Und Andreas Mikkelsen, Rallye-Profi mit VW-Vertrag ... bei unserem Tracktest auf dem Handlingparcours ... bei Ehra-Lessin als Warmfahrer, Chauffeur und Gesprächspartner dabei, gibt noch einen letzten Tipp: „Be aggressive.“ Ok. Das ist easy. Zumal die schwer zu tretende Kupplung nur zum Anfahren benötigt wird. Ein bisschen an dem Schalthebel zu reißen und zu drücken, der neben dem wegen seiner Größe ebenfalls beeindruckenden Handbremshebel wie ein Obelisk aus der Fahrzeugmitte ragt, kann ja nicht das Problem sein...
GRIP – Das Motormagazin, 2015


...Miguel Molina hat’s gut. Erstens ist er professioneller DTM-Pilot, was schon mal kein schlechter Job ist. Zweitens ist er jung, was in den meisten Lebenslagen – zumindest in Sachen körperliche Belastung – von Vorteil ist. Und drittens hat er die Zeit, sich im Simulator auf neue Rennstrecken einzustellen und braucht dann nur noch 15 bis 20 Runden, bis er die Ideallinie verinnerlicht hat. Ich dagegen fahre gerne schnell, aber nicht so schnell, sehe beim Entern eines Rennwagens aus wie ein waidwunder Krebs und habe bislang noch nicht einen Zeh auf diese Rennstrecke gesetzt, geschweige denn einen Reifen. Zweifellos interessante Bedingungen, um einen neuen Rennwagen kennen zu lernen.

Wir sind auf dem Parcmotor Castelloli bei Barcelona, einem wunderbaren Motorradkurs. 4,113 Kilometer lang, inklusive engen, weiten, hängenden und versteckten Kurven, im Blindflug um Felsen herum, mit nur mittelgroßen Auslaufzonen. Und das zu testende Auto ist ein Hammer: Der Audi Sport TT Cup auf Basis des nagelneuen Audi TTS. Insgesamt 24 der neuen Renner lösen ab Anfang Mai die Gas-VW aus dem Scirocco- Cup ab. 18 junge Nachwuchsfahrer aus 13 Nationen zahlen je 99.000 Euro pro Saison und dürfen dafür bei zwölf Rennen an sechs Renntagen auf fünf verschiedenen Rennstrecken ihr Potenzial beweisen. Sechs VIP-Cars für Gastfahrer komplettieren das Feld. Na dann: viel Spaß...

Gute Fahrt, 2015


Die Voraussetzungen sind eigentlich ideal: Sonne, minus 10 Grad und genügend Eis auf dem Schotterweg hier in Kall am Ufer des Kallsjön, Mittelschweden. Aber was Miikka Anttila (41), Co-Pilot von Rallye-Ass Jari-Matti Latvala (28), so alles erzählt, das macht nicht wirklich Mut: „Wir sind auch schon bei Tests abgeflogen, als wir noch für Ford fuhren“, sagt Anttila, der 2013 mit Latvala im Volkswagen Polo R WRC WM-Dritter wurde. Ach, und noch etwas: Auf Schnee und Eis würden sie besonders in Kurven noch schneller als auf Schotter und Asphalt fahren, denn man könne das Heck des Wagens ja an den Schneewällen anlehnen, wenn welche vorhanden sind. Na prima.
Was für Aussichten – obwohl doch genau das der Traum vieler Rallye-Fans ist, einmal im Leben neben so einem Profi wie Latvala sitzen zu können, während er arbeitet: VW Motorsport hat eingeladen, die Tests für die Winter-Rallyes der neuen Saison (Monte Carlo, Schweden) und damit die hohe Kunst des Autofahrens hautnah zu erleben. Doch zunächst gehen die Übungsläufe Latvalas mit seinem eignen Co- Piloten vor. Wir stehen zunächst an der 4,4 Kilometer langen Teststrecke, die die beiden stets viermal – je zwei Hin- und zwei Rückfahrten – durchrasen, bevor der Wagen zwischendurch in der wenige Hundert Meter entfernten Garage der Auto-Lodge Kall vom Mechaniker- und Ingenieursteam durchgecheckt wird. So kommen die Piloten, je nach Reparatur- oder Einstellungsaufwand, auf 25 bis 35 Stints (Abschnitte) pro Tag...

kicker, 2014